GoLite Pinnacle

Ultraleicht Trekking - Rucksack

Testbericht

Testmodell:

  • Men's Pinnacle Pack, Modell 2010 / 2011
  • Grö&sse: LG
  • Farbe: Black/Grease

Technische Daten:

  • Gewicht: 935 g
  • Volumen: variabel, bis zu 72 l
  • verwendete Materialien:
    • Tier 1 Recycled 210 Denier Nylon Gridstop + Dyneema®
    • Tier 1 Recycled 210 Denier Nylon Double Ripstop
    • Wicking Mesh

Eigenschaften:

  • gepolsterte Trageriemen mit Brustgurt mit integrierter Signalpfeiffe
  • Double-Wishbone® gepolsterter Hüftgürt mit zwei integrierten Reißverschluss-Taschen
  • falt- bzw. rollbarer Hauptverschluss mit Kompressionsriemen
  • herausnehmbares Rückenpolster in separatem Innenfach
  • Innenfach für Trinkvorrichtung sowie rechter und linker Auslaß für den Trinkschlauch
  • beidseitige Stretch-Außentaschen
  • seitliche Kompressionsriemen
  • Trekking-Stockhalterungen außen
  • untenliegende Kompressionsanker zum schnellen Umbau als Daypack
  • zusätzliches, geräumiges Außenfach mit Reißverschluss
  • bequeme Tragekapazität bis 18 kg ( laut Hersteller )

Die Vorgeschichte

Da mein alter, schwerer 60 l + 10 l Trekking-Rucksack schneller als erwartet das Ende seiner Lebenszeit erreicht hatte, dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit und versuche durch den Kauf eines Ultra-Leicht Modells gleich noch ein paar Kilogramm für die nächsten Touren einzusparen.
Letzten Endes entschied ich mich für den langjährig etablierten GoLite Pinnacle, welcher bereits seit Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird und daher bereits mehrere Entwicklungszyklen hinter sich hat.
Angesprochen hat mich auch das zurückhaltende Auftreten der Herstellerfirma GoLite, die auf übertriebenes Marketing und Imagekampangen verzichtet und stattdessen auf solide Produkteigenschaften und ökologische vertretbare Materialien und Produktionsprozesse setzt. Gutes Beispiel hierfür ist, dass der Rucksack zum größten Teil aus recycletem 210 Denier Nylon besteht. Laut Herstellerangaben konnte dadurch der Energieaufwand in der Produktion um 70% reduziert werden. Im weiteren gefiel mir das schlichte und schnörkellose Design, welches auf unnötigen Schnickschnack, aber nicht auf Tragekomfort verzichtet, trotz des Ultra-Leicht-Gedankens. Beim Kauf war mir vor allem Letzteres ein wichtiges Argument, da ich empfindliche Schultern habe und bereits bei leichtem Gepäck zuweilen Probleme bekomme.

Der Rucksack

Wie bereits angedeutet besteht der Pinnacle hauptsächlich aus recycletem 210 Denier Gridstop Nylon mit Dyneema. Dieses Material ist äußerst reißfest und robust, dabei dennoch flexibel und leicht. Die Schultergurte und der Hüftgurt sind gepolstert und sorgen durch atmungsaktives, feuchtigkeitsableitendes Netzgewebe für Tragekomfort. Das Rückenteil des Rucksacks ist ebenfalls mit Netzgewebe verkleidet und daher atmungsaktiv. Gepolstert ist es zudem durch eine herausnehmbare Schaumstoffmatte. Diese Schaumstoffmatte kann als Sitz- oder Kopfkissen dienen, oder einen anderen zusätzlichen Zweck erfüllen. Durch Weglassen kann unter Umständen aber auch zusätzliches Gewicht eingespart werden.
Der GoLite Pinnacle verfügt auch über einen höhenverstellbaren Brustgurt in dessen Schnallen eine Signalpfeiffe integriert wurde. über ein Deckelfach verfügt der Pinnacle nicht, das Hauptfach wird durch einen Raffverschluss verjüngt, zusammengerollt und mit Hilfe eines vertikalen Kompressionsriemens fxiert. So ergibt sich das äußerst variable Volumen des Rucksacks. Zusaätzlich kann er mittels der seitlichen vier Kompressionsriemen an den Inhalt angepasst werden. Für den Umbau zum Daypack genügt das einhängen zweier Schlaufen am Boden des Rucksacks. Dadurch verringert sich das Volumen nochmals auf deutlich unter 40 l. Der vertikale Kompressionsriemen dient auch zum äußeren Anbringen von Jacken oder einem nassen Zelt, sollte dies einmal notwendig sein.
Zusätzlich verfügt der GoLite Pinnacle über ein geräumiges Außenfach, welches über einen Reißverschluss verschlossen wird. Hier können alle Dinge verstaut werden, die schnell griffbereit sein sollen. Zusätzlichen Stauraum für kleine Dinge, die man hin und wieder schnell benötigt, findet man in den beidseitigen Reißverschlusstaschen am Hüftgurt. In diesen befinden sich nochmals kleinere elastische Zusatztaschen. Und last but not least findet man rechts und links noch die aus luftdurchlässigem Stretch-Material gefertigten Außentaschen, die entweder als Trinkflschenhalter fungieren, bzw. Zeltgestänge, Trekkingstöcke oder nasse Wäsche aufnehmen können. Darüber können die seitlichen Kompressionsriemen als Halterung dienen.

Der Test

Als Praxistest diente eine 10-tägige Trekkingtour mit Zelt als Selbstversorger durch das Norwegische Fjell. Wetter und Streckenprofil forderten uns und dem Rucksack dabei so Einiges ab.
Doch zunächst musste der Rucksack gepackt werden. Nach der Umstellung vom normalen 2,2 kg Trekking-Rucksack auf diesen Ultra-Leicht-Rucksack muss man sich zunächst daran gewöhnen, das Hauptfach nicht für Dinge zu benutzen, die zwischendurch schnell bei der Hand sein sollen. Denn ein klarer Nachteil der Top-Lader-Rucksäcke ohne Gestell: benötige ich etwas aus dem Hauptfach, muss ich so ziemlich den ganzen Rucksack ausräumen und darf ihn dann auch wieder komplett neu einräumen. Das liegt daran, dass der Rucksack seine Form und Stabilität aus dem Inhalt zieht. Entferne ich einen Teil davon, verschiebt sich der Rest. Ein erneutes Einräumen um den ursprünglichen Zustand zu erreichen ist so gut wie unmöglich. Daher: möglichst nur großes Zeug ins Hauptfach, dann hat man es später leichter beim Ein- und Ausräumen. Es empfiehlt sich kleinere Dinge in Packsäcken zusammenzufassen. Dadurch allerdings vergrößert sich wiederum das Packmaß. Hier muss jeder für sich die passende Lösung finden. Eine Patentlösung gibt es nicht. Für mich hat folgendes Schema funktioniert: Ganz unten quer den Schlafsack in seinem wasserdichten Packsack. So bekommt der Rucksack schonmal einen stabilen Fuß. Darauf aufrecht das Zelt inklusive Gestänge. Zwischen Zelt und Rückenteil habe ich meine Kleidung positioniert. Um das Zelt herum dann Brennstoff, Nahrungsmittel, Luftmatratze und sonstige Dinge. Oben drauf dann den Kocher und Kleinkram. Hat man sein Zeug ordentlich verstaut, kommen die Kompressionsriemen zum Einsatz, damit auch nichts mehr verrutscht, wenn es über Stock und Stein geht.
Meine Begleiterin hatte noch einen Old-School 3 kg Trekking-Rucksack dabei. Daher einigten wir uns, dass Sie die vielen kleinen Dinge an sich nimmt, die man ab und zu mal zwischendurch benötigt.
Tragen ließ sich der Pinnacle sehr gut. Die Trageriemen ließen keinen Komfort vermissen. Auch die Lüftung hat gut funktioniert. Man kann das Tragesystem wunderbar an seine persönliche Bedürfnisse anpassen. Der Hüftgurt ist bequem und ist bei Bedarf in der Lage, fast das gesamte Gewicht auf die Hüften zu übertragen. Da ich empfindliche Schultern habe, war das des öfteren notwendig. Maximal hatte ich etwa 14,5 kg auf dem Rücken. Ein Vorteil des Pinnacle gegenüber einem herkömlichen Gestellrucksack mag noch sein, dass man durch geschickte Verteilung seine Kopffreiheit erhalten kann. Geht man mit dem Gepäck etwas mehr in die Tiefe anstatt in die Höhe, hat man volle Bewegungsfreiheit für den Kopf, was an besonders steilen Abschnitten durchaus von Vorteil ist. Auch bei einer etwas tieferen Packart, konnte keine Beeinträchtigung der Gesamtstabilität festgestellt werden.
Mehr als einmal mussten wir über Felsenkanten rutschen, da die Absätze zum normalen Steigen zu hoch waren. Dabei wurde der Rucksack über zum Teil scharfkantigen Fels geschrammt. Auch mussten wir einmal, als wir den Einstieg über den markierten Weg nicht direkt gefunden haben, durch dichtes Birkenunterholz. Auch hier wurde der Rucksack ziemlich malträtiert, ohne sichtabare Spuren davon zu tragen.
Kurze und Längere Regenfälle zwangen uns immer wieder in die Regencapes. Hier muss klar eine Schwäche des Rucksacks erwähnt werden. Im Ausgangszustand scheint er kein Bisschen Impregniert zu sein, das heisst er nimmt so ziemlich jeden Tropfen Wasser auf, den er abbekommt. Daher ist das rechtzeitige Anbringen des Regenschutzes unabdingbar. So schnell er das Wasser allerdings aufnimmt, so schnell gibt er es auch wieder ab. Wasserempfindliche Aurüstungsteile, wie Schlafsack, Kleidung, Haferflocken, usw. sollten generell gesondert gegen Wasser geschützt sein.

Das Fazit

Unter Berücksichtigung, dass ich fast ohne Tragekomforteinbußen, einfach so 1,5 kg gegenüber meinem alten Trekking-Rucksack einsparen konnte, bin ich sehr zufrieden mit dem Rucksack. Natürlich gibt es das nicht Umsonst. Ein Nachteil ist, dass man den kompletten Rucksack jeden Tag mindestens einmal vollständig aus- und wieder einräumt. Bei entsprechender Organisation ist das aber kein größeres Manko. Erwähnen sollte ich noch, dass das Rückenteil am Ende der Tour eine deutliche Delle aufwies. D.h. obwohl ich mein persönliches Packschema nicht geändert hatte, hat sich die Form des Rückenteils des Rucksacks mit der Zeit geändert. Ob das nun aber an meiner Art zu packem lag, oder am Rucksack selbst ist mir nicht bekannt. Den Tragekomfort hat dies aber nicht beeinträchtigt.
Ebenfalls im Fazit erwähnen sollte man nochmals, dass der Rucksack zu einem erheblichen Anteil aus Recycling-Material besteht, das ist Balsam für das „Grüne Gewissen“ und ebenfalls ein deutlicher Pluspunkt gegenüber einem herkömmlichen Rucksack.
Mehrfach auf der Tour gelohnt hat sich auch das flexible Volumen. Mehrmals kam der Rucksack als Daypack zum Einsatz, was wie o.a. sehr einfach zu bewerkstelligen ist. Dabei wiegt er dann immer noch deutlich weniger als so mancher auf dem Markt erhältlicher Tagestourenrucksack. Das hat mir schon ein leichtes Schmunzeln abgerungen.
Also am Ende spreche ich meine persönliche Empfehlung für den Rucksack aus. Bedenken sollte man allerdings, dass man sich die 1,5 kg bis 2 kg Gewichtersparnis zum standard Trekking-Rucksack über einen erhöhten Organisationsaufwand erkauft. Wer damit klar kommt, freut sich über das gesparte Gewicht und hat einen zuverlässigen Partner auch auf anspruchsvollen Touren.